Ein lösungsorientierter Dialog mit allen Beteiligten ist wichtig – Unsere Reaktion auf den Artikel in der AZ vom 16.3.2017

Übergreifende Kritik

Wenn der CDU tatsächlich an einer Aufwertung der Suermontviertels inkl. Kaiserplatz gelegen wäre, würde sie den Dialog mit den Akteuren  suchen und konstruktiv gemeinsam mit allen Beteiligten nach Verbesserungsmöglichkeiten suchen. Dieser Artikel zeigt, dass es wohl  vielmehr um mediale Aufmerksamkeit und negative Stimmungsmache geht als  um tatsächliche Verbesserungen. Lösungen für soziale und stadtgestalterische Herausforderungen werden nicht gefunden indem man Zeitungsartikel schreibt, sondern indem man miteinander redet. Fraglich ist auch, ob die Anwohnerschaft die Einschätzung als no-go-area teilt.

Zum Viertel

Wenn kritisiert wird, dass Leute nachts Angst haben und dass Ecken neben dem Einkaufszentrum verwahrlosen, dann ist unserer Meinung nach die einzige Lösung, dass die Räume stärker belebt werden, durch die Bürger, die dort leben. Nur wenn die eigenen Anwohner sich wohlfühlen, Verantwortung übernehmen für den Raum (ownership) und den öffentlichen Raum als Aufenthaltsraum nutzen, werden Straßen und Plätze belebt und  unterliegen automatisch einer gewissen sozialen Kontrolle, die auch mehr Sicherheit mit sich bringen würde. Klassische Musik am Kaiserplatz mag  eine nette Idee sein, gegen die wir  nichts einzuwenden haben. Aber wenn es darum geht, dass Junkies den Raum nicht mehr so stark wie bisher nutzen, muss über attraktive Betreuungs- und  Aufenthaltsmöglichkeiten für Abhängige gesprochen werden. Vertreibung ist sicher keine Lösung, sondern verlagert das Problem nur.

Zum Garten

Der Gemeinschaftsgarten HirschGrün, getragen vom Verein Urbane Gemeinschaftsgärten Aachen e.V., versteht sich als öffentlicher Raum, in dem Bürger ihre eigene Umgebung, in der sie leben, gestalten können. Er ist ein Treffpunkt für viele Menschen aus dem Viertel und darüber hinaus, die sich im normalen Alltag auf der Straße nicht begegnet wären. Der Gemeinschaftsgarten ist auch ein Ort, an dem verschiedenen Initiativen Raum für Entfaltung geboten wird, z.B. der Künstergruppe um Vera Sous, deren Schiff, welches gemeinsam mit Geflüchteten erbaut  wurde, im Garten steht, oder der Initiative Foodsharing deren Lebensmittel-Fairteiler im Garten ein willkommener Anlaufpunkt für  Menschen aller couleur ist, um Lebensmittel vor dem Abfalleimer zu retten. 

Gestaltung und Sicherheit

Dass die konkrete Gestaltung des Gartens immer auch eine  Geschmacksfrage ist, ist unbestritten. Aber hier gilt, wer sich einbringt und den Dialog sucht, kann mitgestalten. Der Garten ist schließlich offen für alle. Die Tatsache, dass es keine klare Trennung zwischen Spielplatz und Garten gibt, ist auf die Planung als Gesamtgrünfläche Suermondtpark zurückzuführen und beruht auf einem ausdrücklichen Wunsch der Stadt Aachen. Die Offenheit des Gartens ist zudem eine Vertragsbedingung für den Verein zur Pacht der Fläche und auch die Gärtner begrüßen die Offenheit des Geländes. 

Das Mobiliar wurde im low-tech Verfahren unter Einsatz recycelter Materialien gemeinsam mit Geflüchteten erbaut, die sich über die kreativen und handwerklichen Tätigkeiten im Garten sehr gefreut haben. Da der Materialeinsatz unser Arbeit auf Spenden basiert, versuchen wir so sparsam wie möglich zu arbeiten. Viele der Möbel im Garten sind auch Sachspenden von freundlichen Anwohnern über die wir uns sehr freuen. Gerne sind wir bereit weitere Sitzmöbel, die sämtlichen Sicherheitsvorschriften entsprechen, aufzustellen, wenn sich ein Spender dafür findet. Selbstverständlich haben selbstgebaute Möbel, die ständig der Witterung ausgesetzt sind, irgendwann ihre Dienlichkeit getan. Aber solange sie als Sitzgelegenheiten nutzbar sind und auch genutzt werden von Besuchern, erfüllen sie ihren Zweck noch. Hinweise auf Verletzungsrisiken im Garten nehmen wir sehr ernst und bemühen uns bei konkreten Hinweisen um umgehende Reparatur. Eine Defekte Bank haben wir als Reaktion auf die Kritik in das Materiallager des Gartens gestellt. Wir können aber zur Beruhigung der Allgemeinheit verkünden, dass in den vergangenen vier Jahren des Bestehens des Gemeinschaftsgartens keine Verletzungen im Garten gab und Kindern sowie Eltern sich sehr gerne im Garten aufhalten und hier nicht mehr Risiken sehen, als an anderen Orten auch. 

Bildungsarbeit und Kooperation mit Schulen und Kitas

Der Gemeinschaftsgarten HirschGrün  wird außerdem von mehreren Schulen und Kitas genutzt um den Kindern die  Natur näher zu bringen. Auch hier gab es nie Beschwerden über die  Sicherheit auf dem Gelände. Unsere Kooperation mit Bildungseinrichtungen  erfährt auch über die Stadtgrenzen hinaus Anerkennung. So werden wir  unseren Ansatz und unsere Aktivitäten z.B. bei einer Konferenz der  Natur- und Umweltschutz Akademie NRW vorstellen. Außerdem wurde unsere Bildungsarbeit gefördert von der Stadt Aachen und der Stiftung Umwelt- und Entwicklung NRW.

Ehrenamtliches Engagement der Foodsharing Initiative

Ein großer Kreis von Ehrenamtlichen kümmert sich um den Foodsharing  Fairteiler in dem Lebensmittel angeboten werden. Diese Personen holen  auch die Lebensmitteln von den Supermärkten ab und machen sie der  Allgemeinheit zugänglich. Allein vor diesem Engagement von Bürgern muss  man schon einmal den Hut ziehen. Dass das Aufräumen in Fairteilern eine  Herausforderung ist, wissen alle Beteiligten nur zu gut, aber es gibt  speziell für den Fairteiler im HirschGrün einen Putzplan und es stehen auch Jedem Putzutensilien zur Verfügung, der diesen Lebensmittelschrank nutzt. 

Lösungsorientierung und Zusammenarbeit mit allen Akteuren

Darauf, dass Hunde gegen den Verteiler und auch anderswo im Garten und Spielplatz hin pinkeln und kacken, würden wir auch liebend gern verzichten; ebenso wie auf Gartenbesucher, die andere Personen belästigen, sei es aufgrund von Alkoholkonsum oder aus anderen Gründen. Seit der Öffnung des Suermondtparks ist die Anzahl solcher Besucher leider stark gestiegen, wie es auch in anderen öffentlichen Parks der Fall ist. Auch das Müllaufkommen durch Passanten und Besucher ist so hoch, dass das Müllsammeln ein fester Bestandteil der Gartenarbeit geworden ist. Auch das würden wir gerne ändern. Diese Problempunkte haben wir aber bereits im Sommer letzten Jahres mit Vertretern der Stadtverwaltung und des Ordnungsamtes diskutiert und arbeiten an Lösungen dafür.

Insgesamt tragen wir als Verein Urbane Gemeinschaftsgärten Aachen e.V. gerne zu einem lebenswerten Suermondtviertel und auch darüber hinaus bei. Wir sind gut vernetzt mit anderen Akteuren im Viertel (Raststätte, Pfannenzauber, Martin-Luthergemeinde, OGS Beeckstr. etc.)  und freuen uns darauf, die oben genannten Ideen zur stärkeren Nutzung und Gestaltung des öffentlichen Raums durch Anwohner und Bürger zu unterstützen. Gerne treten wir auch in Dialog mit Vertretern weiterer Einrichtungen sowie Verwaltung und Politik um dieses Ziel zu erreichen und mögliche Problempunkte zu beheben. Ganz konkret unterstützen wir aktuell ein durch die Bundesebene gefördertes Projekt zur Aufwertung des Suermondtviertels („Aktive Mobilität“) und konnten bei der Begehung mit Vertretern der Fördereinrichtungen vor der finalen Entscheidung mit der Präsentation des Gemeinschaftsgartens und unserer Aktivitäten überzeugen.

Vom professionellen Journalismus wünschen wir uns eine sachliche und differenzierte Darstellung der Situation. Nur so kann zu einem konstruktiven Umgang aller Akteure miteinander in einer demokratischen Gesellschaft beigetragen und das Klima einer lösungsorientierten Zusammenarbeit gefördert werden. Eine zukunftsorientierte Stadt braucht das Miteinander aller Akteure und auch Strukturen, die dieses bunte Miteinander mit gegenseitigem Respekt und Wertschätzung fördern.